MädchenbüroMilena

Siras und Larissas Perspektive

Hallo, wir sind Sira und Larissa und arbeiten nachmittags ehrenamtlich in der Mädchenbetreuung von Milena. Wir haben uns Gedanken zum Thema Feminismus gemacht.

 

Larissa: Sag mal, Sira, wie bist du eigentlich Feministin geworden?

Sira: An den genauen Moment oder Tag kann ich mich so nicht mehr erinnern, aber das Thema Feminismus habe ich das erste Mal so richtig in Frankfurt kennengelernt. Ich bin 2015 von Mannheim nach Frankfurt gezogen, um hier mein Masterstudium in Politikwissenschaft anzufangen. Schon bei der Auswahl der Kurse ist mir aufgefallen, dass Feminismus hier durchaus eine Rolle spielt und man genauso Kurse zu feministischen Theorien wie zur Schule des Realismus belegen kann. Das fand ich sehr spannend.

Neben der Uni habe ich dann immer mehr Veranstaltungen und Treffen zum Thema Feminismus besucht und habe darüber gemerkt, dass viele Probleme, die ich bisher hatte, ganz klar mit meinem „Frausein“ zusammenhängen. Ein Lehrer in der Schule beschuldigte mich mal, dass ich bei einem Freund während der Politikklausur abgeschrieben hätte, weil Mädchen gar nicht in der Lage wären, in so einem Fach so gute Noten zu schreiben. Damals dachte ich: Blöder Kommentar. Heute weiß ich, das war kein individuelles Problem von mir und meinem Lehrer, sondern ein strukturelles Problem, und es trägt den Namen Sexismus.

Ich bin wirklich sehr dankbar, dass ich über feministische Theorien gestolpert bin. Ich lerne immer noch ständig dazu. Aber alleine, dass ich diskriminierendes Verhalten, das mir oder anderen Frauen passiert, heute klar als solches benennen kann, das ist wahnsinnig wichtig.

 

Aber, wenn du mich so fragst, was bedeutet Feminismus denn für dich, Larissa?

Larissa: Feminismus bedeutet für mich vor allem das Ein- und Aufstehen für Gleichberechtigung. Und das nicht nur zwischen Männern und Frauen, sondern es ist für mich viel eher eine grundlegende Einstellung gegen verschiedene Diskriminierungsformen. Ich finde es wichtig, den Feminismus so zu verstehen, dass Geschlecht auch im Zusammenhang mit Herkunft, Sexualität und anderen Aspekten gedacht wird, um auch mehrfache Benachteiligung zu sehen. Mir geht es ähnlich wie dir, Sira. Auch ich habe mich erst in Frankfurt intensiv damit auseinandergesetzt und habe das Gefühl, gesellschaftliche Strukturen jetzt besser zu verstehen und so Erlebnisse wie du, und ich auch, in der Schule hattest, einordnen zu können. Trotzdem ärgert es mich immer noch, wenn ich diskriminierende Erfahrungen mache oder davon höre.

 

So viel also zur Theorie. Wie siehst du das bei den Mädchen, die das Milena besuchen. Haben die schon mal von Feminismus gehört?

Sira: Ja, das ist total cool und erstaunlich: Viele Mädchen, die das Milena besuchen, kennen sich schon sehr gut mit Feminismus aus. Viele von ihnen sind über Instagram oder YouTube auf das Thema aufmerksam geworden. Es gibt mittlerweile mehrere Influencerinnen, die sich mit dem Thema beschäftigen und das inspiriert natürlich auch die Mädchen. Dadurch, dass die Mädchen oft mehrere Sprachen sprechen, können sie sich über das Internet auch vernetzen mit anderen Mädchen in der Welt. Oder sie können feministischen Influencerinnen aus anderen Ländern folgen.

Wenn wir im Milena dann über Benachteiligungen reden, die die Mädchen im Alltag erleben, können sie dieses Wissen einbringen. Über diese Gespräche in der Gemeinschaft lernen dann auch andere Mädchen, die sich noch nicht so sehr mit dem Thema Feminismus auseinandergesetzt haben, was dazu. Das ist sehr empowernd und schön! Ich wünschte, das wäre zu meiner Zeit schon so gewesen.

 

Und wo wir schon beim Wünschen sind: Was wäre dein feministischer Wunsch an die Zukunft?

Larissa: Puh, schwierig… Ideal wäre natürlich, wenn wir uns darum keine Gedanken mehr machen und für Gleichberechtigung und Gleichbehandlung nicht mehr kämpfen müssten. Aber das ist ein großer Wunsch und sehe ich erst einmal nicht in Erfüllung gehen... Daher wünsche ich mir, dass wir alle – Männer* und Frauen* – weiterhin den Mut aufbringen, dagegen anzugehen, dass wir Organisationen, Vereine oder Initiativen gründen, die sich tagtäglich engagieren, die Betroffene von Diskriminierung unterstützen oder empowernde Arbeit leisten. Wer Diskriminierung duldet, schafft damit die Grundlage, dass Ausschluss und Benachteiligung legitim werden. Ich wünsche mir auch mehr Solidarität. Strukturelle Diskriminierung gegen FLTQI* (Frauen, Lesben, Transpersonen, Queer und Intersexuellen) sollte jede Person angehen.

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